Partnerschaft in Deutschland
Das von Gott bestimmte Zusammensein für eine unendliche Zeit ist in der modernen Gesellschaft einer autonom-individuellen Entscheidung gewichen. Die Entfaltung des Individuums scheint heute wichtiger, als der soziale Zusammenhalt - mit Konsequenzen für Partnerschaft und Ehe. Jeder zweite Haushalt ist heute ein
Ein-Personen-Haushalt. Auch geht jeder zweite Deutsche mindestens einmal in einer Beziehung fremd. Bei rund 65 Prozent der deutschen Haushalte liegt Kinderlosigkeit vor. Trotzdem bleibt das Thema Liebe für über 90 Prozent der deutschen Befragten, das zentrale Thema für ihr Glück. Immerhin schließen die Deutschen pro Jahr 400.000 Ehen, dem gegenüber stehen 200.000 Scheidungen. Bei vielen geschieden Menschen kommt es nicht nur zur sozialen Ächtung, sondern auch zu ökonischen Abstiegen. Jürg Willi, ein Schweizer Paarforscher, ist der Meinung, dass Männer und Frauen sich in den letzten Jahrzehnten von Antipoden im Geschlechterkonflikt zu "Kollegen" entwickelt haben. Willi untergliedert Partnerschaft und Ehe historisch in vier Hauptmodelle. Erstens, das ökonomisch-rechtliche Ehemodell zur juristischen Sicherung und Besitzweiterleitung. Zweitens, die institutionell-rechtliche Ehe, die die Ehe als zentrales Moment der Gesellschaft sieht. Drittens, die Ehe oder das Paar, als Reproduktionsgemeinschaft, dass Willi, das kindzentrale Modell nennt und Viertens, das aktuelle Modell, dass den Partnern zur Maximierung des Glücks dient. Während die ersten Modelle mit sozialer Kontrolle einhergehen, entwickelt sich das vierte Modell sozial-autonom. Das Modell geht mit einer Vereinsamung einher, dass dazu führt, dass Männer im Schnitt mit 31,6 Jahren und Frauen mit 28,8 Jahren heiraten. Laut aktuellen Studien wächst die Gefahr von Scheidungen, desto älter die Partner sind. Ebenso erhöht sich die Zweitscheidungsrate, wenn ein Partner bereits einmal geschieden wurde. Der Sexualforscher und Autor von Aufklärungsbüchern, Günter Amendt, kommt zum Fazit, dass die Deregulierung der sozialen und ökonomischen Verhältnisse zu einer Deregulierung der Moral führt.
Durch Aufhebung der Regeln und Gebote die den Warenfluss behindern, werden so Amendt, auch am Ende alle Beziehungen nur noch Tauschbeziehungen sein.